Aktualisiert 08.05.2012

HARMONIKAFREUNDE FEUERBACH e.V.

Mitglied im Deutschen Harmonikaverband

Gegründet 1937

Tango begeistert auch am Sonntagvormittag

 

Mit der Ankündigung einer „Tango-Matinee“ ist es dem Akkordeonensemble der Harmonikafreunde Feuerbach am Sonntagvormittag gelungen, den Saal im Feuerbacher Bürgerhaus bis auf den letzten Platz mit Liebhabern des Tangos zu füllen. Und die, die gekommen waren, erlebten eine mitreißende Darbietung auf hohem Niveau. Lang anhaltender Applaus und zwei Zugaben waren der Beweis, dass die Besucher offenbar nicht genug bekommen konnten. Zuvor hatten die fünf Musiker in ihrer einstündigen Matinee einen Querschnitt durch die Welt des Tangos dargeboten. Dabei lag der Schwerpunkt auf dem Tango Nuevo, eine aus dem argentinischen Tango unter dem Einfluß klassischer und moderner Stilelemente entstandene, kaum tanzbare Form des Tangos.

Die Mehrzahl ihrer Vorträge stammte daher auch aus der Feder des Begründers des Tango Nuevo, Astor Piazzolla. Durch geschickte Auswahl der einzelnen Stücke aus den unzähligen Kompositionen Piazzollas mit ihren verschiedenartigen Charakteren ließ sich die Matinee sehr abwechslungsreich gestalten. Zu Beginn der rhythmische, treibende Tango Appassionado, komponiert von Thomas Ott, der im Stile Piazzollas das Publikum auf die folgenden Vorträge einstimmte. Danach stand die Melodia en la menor auf dem Programm, ein Stück mit dem vor vielen Jahren das Ensemble erstmals mit dem Tango Nuevo in Berührung kam und der seither ein wesentlicher Teil des Repertoires darstellt. Mit Escualo war der nächste Tango überschrieben, was auf deutsch Haifisch bedeutet.
Dieser technisch und musikalisch äußerst anspruchsvolle Tango forderte der Melodiestimme und der für den Rhythmus zuständigen Abteilung des Ensembles ihr ganzes Können, um den Haifisch, dargestellt durch rasches Tempo, häufige Taktwechsel und virtuose Melodiepassagen zu bändigen. Mit Tanti anni prima und Oblivion folgten zwei Werke Piazzollas, die er als Filmmusiken für den Film Heinrich IV geschrieben hatte. Für diese beiden Vorträge hatte sich das Ensemble die Mundharmonikasolistin Marion Mendel eingeladen, die auf ihrer chromatischen Mundharmonika die Melodien voller Melancholie mit großem Einfühlungsvermögen interpretierte.

Mal traurig und klagend, mal leidenschaftlich drängend, entstanden zwischen Mundharmonika und der dezenten Begleitung des Ensembles verträumte Harmonien, sehr zur Begeisterung des Publikums. Eingebettet zwischen diesen beiden Stücken zog Ensemblemitglied und Akkordeonsolist Lutz Messerschmid beim Vortrag einer eigenen Bearbeitung des berühmten Libertango alle Register seines Könnens und demonstrierte mit seiner Spieltechnik, dass ein Akkordeon außer als Tasteninstrument auch noch als Trommel und als Rassel zu gebrauchen ist. Danach wechselte das Ensemble von Argentinien nach Europa und präsentierte mit dem Tango Bolero des Tango-Königs Juan Llossas einen seiner bekanntesten und beliebten Tangos. Der dem Bolero von Ravel nachempfundene Rhythmus und die langsam anschwellende Dynamik interpretierte das Ensemble akkurat und authentisch. Bei manch einem der älteren Matineebesucher wurden dabei Erinnerungen an frühere Zeiten wach, als dieser Tango noch des öfteren über den Äther zu hören war. Bei einem solch ausgesuchten Programm durfte der Altmeisters der Akkordeonliteratur, Rudolf Würthner, natürlich nicht fehlen. Aus dessen Werken hatte sich das Ensemble den Tango sentimentale ausgesucht. Dieser war als klassischer europäischer Tango die perfekte Abrundung des Programms. Die nachfolgende, eingangs bereits erwähnte Zugabe kontrastierte bewusst zu dem bisher gehörten, die Wahl fiel auf den Root Beer Rag von Billy Joel. Mit dieser rasanten und witzigen Darbietung entfachte das Ensemble erneut Begeisterung und brachte seine Zuhörer zum rhythmischen Mitwippen. Eine zweite Zugabe war fällig und gemeinsam mit Marion Mendel und ihrer Mundharmonika wurde noch einmal Piazzollas Oblivion zelebriert.